Francesca da Rimini • Gianni Schicci
Musiktheater im Revier
Rachmaninows Tragik trifft Puccinis Spott
von Dierk Schapals (kulturbummler)
31.01.2026
Am Musiktheater im Revier verschränkt Regisseur Manuel Schmitt Rachmaninows „Franscesca da Rimini“ und Puccinis „Gianni Schicci“ zu einem bitteren Menschenpanorama, in dem aus derselben existentiellen Leidenschaft erst ein finsteres Liebesinferno und anschließend eine grell überzeichnete Komödie der moralischen Verharmlosung entsteht. Dabei wird der Zuschauer von dunkler Tragik zu scharf gezeichneter Komik geführt.
Das Bühnenbild von Julia Berndt und die Kostüme von Carola Volles verorten die dramatischen Welten beider Opern als visuelle Spiegel ihrer inneren Konflikte. Die Szenerie variiert zwischen abstrakter, höllenhaft aufgeladener Räumlichkeit (Rachmaninow) und ironisch überzeichneten, teils grotesken Kostümbildern (Puccini). So werden Tragödie und Komödie in kontrastreichen Bildern miteinander verbunden.
Und auch musikalisch erlebte das Publikum einen Abend der Kontraste. Rachmaninows Musik erklang kraftvoll und expressiv und verlieh dem ernsten und tragischen Teil des Abends eine große emotionale Tiefe. Puccini dagegen erklang leicht und spritzig und war mit der nötigen Portion Italianità versehen.
Großes Lob an die vorzüglich spielende Neue Philharmonie Westfalen unter dem Dirigat von Giuliano Betta. Sängerisch überzeugte vor allem Susanne Serfling als Francesca mit klarem, höhensicherem Sopran und dramatischem Spiel. Ihr zur Seite zeigten Nenad Čiča als Paolo und Simon Stricker als Malatesta starke sängerische Leistung und Präsenz.
In Gianni Schicci brillierte Benedict Nelson in der Titelpartie, der den gierigen Erben mit Charme und Witz den Spiegel vorzuhalten wusste. Almuth Herbst als „Strippenzieherin“ Zita begeisterte das Publikum mit komödiantischer Präzision, und Heejin Kim und Khanyiso Gwenxane sorgten für die lyrischen Momente in dieser turbulenten Komödie. Großes Lob auch an die übrigen Sänger* innen, die entscheidend zu dieser großartigen Ensembleleistung beigetragen haben.
Am Ende Bravi und Standing Ovations, die kein Ende nehmen wollten. Ein Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte!