La fanciulla del West
Aalto Musiktheater
Reise durch das Westerngenre
von Dierk Schapals (kulturbummler)
28.03.2026
Mit Giacomo Puccinis selten gespieltem Meisterwerk „La fanciulla del West“ wagt das Aalto-Musiktheater den Ritt in den rauen Wilden Westen. Regisseur Dirk Schmeding inszeniert das Stück als „Reise durch das Westerngenre" und verwandelt die Bühne in die optische Illusion eines Themenparks. So wird der Saloon „Polka“ zum Schauplatz eines emotionalen Pokerspiels, das die psychologischen Risse hinter der harten Goldgräber-Fassade freilegt.
Der Abend fokussiert weniger klassische Romantik als vielmehr die Emanzipationsgeschichte einer starken Frau in einer brutalen, von Umbrüchen geprägten Männerwelt.
Dieses Spannungsfeld spiegelt sich eindrucksvoll in der erstklassigen Besetzung wider: Im Zentrum steht Ilaria Alida Quilico als Minnie. Sie meistert die mörderische Partie mit einer Mischung aus stählerner Höhe in den dramatischen Ausbrüchen und fast zerbrechlicher Innigkeit. Ihr Sopran schneidet mühelos durch Puccinis massiven Orchesterapparat, ohne je an emotionaler Wärme zu verlieren.
An ihrer Seite überzeugt Jorge Puerta als Dick Johnson. Sein Spinto-Tenor bringt genau den Schmelz und die heldenhafte Durchschlagskraft mit, die diese Rolle erfordert. Besonders in seinem „Ch'ella mi creda“ im letzten Akt beweist er eine emotionale Tiefe, die unter die Haut geht – ein Tenor mit großer Strahlkraft.
Den düsteren Gegenpol setzt Massimo Cavalletti als Sheriff Jack Rance. Mit markantem, autoritärem Bariton verleiht er dem Antagonisten eine faszinierende Bitterkeit. Cavalletti verkörpert diesen harten Mann mit jeder Faser und jeder dunklen Nuance seiner Stimme. Das restliche Aalto-Ensemble komplettiert den Abend mit einer geschlossenen Leistung, die den zahlreichen Nebenrollen ein individuelles Profil verleiht. In den Ensembleszenen wird die raue Atmosphäre der Gemeinschaft stimmlich eindrucksvoll spürbar.
Unter der präzisen Leitung von Andrea Sanguineti entfalten die Essener Philharmoniker einen Breitwand-Sound zwischen staubiger Wüste und spätromantischer Ekstase. Ein absolutes Muss für Puccini-Fans, das verdient mit standing ovations gefeiert wurde.