Maus, Geld, Gespenst
Schauspiel Essen
Ein Gespräch über das Ungreifbare und unsere Realität
von Dierk Schapals (kulturbummler)
07.05.2026
Das Schauspiel Essen setzte mit der vielschichtigen Uraufführung von „Maus, Geld, Gespenst“ ein starkes Zeichen für das zeitgenössische Gegenwartstheater. Die Koproduktion mit den Ruhrfestspiele Recklinghausen nähert sich den titelgebenden Phänomenen auf eine hochgradig assoziative Weise.
Das preisgekrönte Stück aus der Feder von Sunan Gu, feinfühlig übersetzt von Ulrike Syha, stellt fundamentale Fragen an unser gesellschaftliches Zusammenleben sowie die unsichtbaren Dynamiken des globalen Kapitals.
Im Zentrum der klugen Inszenierung von Regisseurin Ruth Mensah stand die Verknüpfung dreier Motive, die als mächtige Metaphern unserer Gegenwart fungieren. Das großartig aufspielende Ensemble hauchte diesem dichten Figurengeflecht zwischen Berlin und Beijing intensiv Leben ein.
Katharina Bogdanova Petrova, Mansur Ajang und Christopher Heisler überzeugten durch enorme sprachliche Präzision und psychologische Tiefe. Maddy Forst und Pablo Alvarado setzten in ihren Rollen starke physische sowie emotionale Akzente.
Die Aufführung brach traditionelle narrative Strukturen konsequent auf. Das Ensemble agierte in einem Bühnenraumvon Yuni Hwang, der fließend zwischen Realismus und surrealem Albtraum changierte. Sprachlich präzise Textflächen wechselten sich mit Performance-Elementen ab. Die theatrale Untersuchung sezierte die Mechanismen von Wertschöpfung, Isolation und Kontrollverlust in einer hyperdigitalisierten Welt.
Dem Grillotheater gelang das Kunststück, komplexe soziologische Fragestellungen in sinnliche Theaterbilder zu übersetzen, die das Publikum nachhaltig herausforderten.