Ballettabend „Relations“
Aalto Musiktheater
Architekturen der Berührung: Wenn Körper Räume aufbrechen
von Dierk Schapals (kulturbummler)
19.04.2026
Die Ballettproduktion „Relations“ im Aalto Musiktheater entfaltet eine tiefenpsychologische Vermessung menschlicher Räume, verwurzelt in der Ästhetik des Nederlands Dans Theater. Der Abend beginnt mit „Forgotten Land“ (1981) von Jiří Kylián, das die Verlorenheit von Edvard Munchs „Die Tanzenden am Meer“ thematisiert.
Es folgt Kyliáns analytisches „Sleepless“ (2004), in dem eine Diagonale als Membran zwischen Realität und Unterbewusstsein dient.
Den Abschluss bildet „Walking Mad“ von Johan Inger (2001), in dem eine massive Holzwand als Gegenspieler dient und die Grenze zwischen Ordnung und Chaos greifbar macht.
Die musikalische Gestaltung bildet das emotionale Rückgrat. „Forgotten Land“ gewinnt durch die Wucht von Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“ eine existenzielle Schwere. Im Kontrast dazu steht die unwirkliche Atmosphäre in „Sleepless“, geschaffen durch Dirk Haubrichs Dekonstruktion von Mozarts Adagio für Glasharmonika. „Walking Mad“ nutzt die hypnotische Steigerung von Maurice Ravels „Boléro“ für einen obsessiven Wahn, bevor Arvo Pärts „Für Alina“ die Entladung in Stille auflöst.
Die tänzerische Leistung der Compagnie und ihrer ständigen Gäste ist von seltener Dichte geprägt. Sie beeindruckten immer wieder aufs Neue durch enorme Präsenz, faszinierende Präzision und die Fähigkeit, die gesamte Bühne in einen Raum voller Leidenschaft zu verwandeln.
„Relations“ macht die Wucht menschlicher Begegnungen ganz neu erlebbar – ein Abend, der unter die Haut geht und noch lange nachklingt. Das Publikum honorierte diese Leistung mit langanhaltenden Standing Ovations für die gesamte Compagnie und alle Beteiligten.