Sinfoniekonzert VIII
Philharmonie Essen
Schicksal, Tanz und leuchtender Atem
von Dierk Schapals (kulturbummler)
13.02.2026
Zwischen der archaisch geerdeten Beweglichkeit von Bartóks Rumänischen Volkstänzen, dem weit atmenden spätromantischen Gestus von Glières Hornkonzert und der schicksalshaften Dringlichkeit von Tschaikowskys Vierter Sinfonie entfaltete sich in der Philharmonie Essen ein dramaturgisch klug gebauter Konzertabend von großer innerer Spannung.
Die Essener Philharmoniker musizierten unter der Leitung von Kristiina Poska mit einer überzeugenden Balance aus klanglicher Präzision und emotionaler Offenheit, die den unterschiedlichen Stilwelten des Programms gleichermaßen gerecht wurde.
In den Rumänischen Volkstänzen verband das Orchester rhythmische Schärfe und pointierte Artikulation mit einer lebendigen, atmenden Phrasierung, die den folkloristischen Impuls unmittelbar erfahrbar machte.
Das Hornkonzert wurde durch Radek Baborak zu einem Höhepunkt des Abends: Sein warmer, geschmeidiger Ton und die selbstverständliche Virtuosität fügten sich nahtlos in den fein ausgewogenen Orchesterklang ein. Poskas Dirigat zeichnete sich dabei durch klare Impulse, flexible Tempogestaltung und ein sensibles Gespür für dynamische Übergänge aus, was insbesondere das dialogische Zusammenspiel zwischen Solist und Ensemble vertiefte.
In Tschaikowskys Vierter Sinfonie kulminierte diese Musikalität schließlich in einer spannungsvoll durchgeformten Interpretation, in der das unerbittliche Schicksalsmotiv mit großer Prägnanz exponiert wurde und sich die emotionalen Kontraste zwischen innerer Zerrissenheit und eruptiver Klangentladung konsequent zuspitzten. Orchestrale Wucht, lyrische Innigkeit und formale Stringenz verbanden sich dabei zu einer Lesart von eindringlicher Geschlossenheit.
So wurde dieser Konzertabend vom Publikum mit spürbarer Begeisterung aufgenommen und am Ende mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations für alle Beteiligten gefeiert.