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Rigoletto • Aalto Theater • Foto: Matthias Jung
Rigoletto • Foto: Matthias Jung
Philharmonie Essen • Foto: Volker Wiciok
Tanzhommage an Queen • Foto: Hans Gerritsen
Parsifal • Foto: Matthias Jung
Parsifal • Foto: Matthias Jung
Angst und Schrecken in Mykene • Foto: Nils Heck
Angst und Schrecken in Mykene • Foto: Nils Heck
Cinderella • Foto: Hans Gerritsen
Cinderella • Foto: Hans Gerritsen
Carmen • Foto: Bettina Stöß
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Rigoletto • Aalto Theater • Foto: Matthias Jung
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Philharmonie Essen • Foto: Volker Wiciok
Tanzhommage an Queen • Foto: Hans Gerritsen
Parsifal • Foto: Matthias Jung
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Angst und Schrecken in Mykene • Foto: Nils Heck
Angst und Schrecken in Mykene • Foto: Nils Heck
Cinderella • Foto: Hans Gerritsen
Cinderella • Foto: Hans Gerritsen
Carmen • Foto: Bettina Stöß
Carmen • Foto: Bettina Stöß

The Lottery

Schauspiel Essen

Wenn die Stille schreit

von Christian Hennig

28.02.2026

The Lottery Bild The Lottery Bild The Lottery Bild The Lottery Bild The Lottery Bild The Lottery Bild

Die gestrige Premiere von „The Lottery“ im Grillo Theater bot kein klassisches Theater, sondern ein audiovisuelles Experiment, das das Publikum gleichermaßen bannte und verstörte. Im Zentrum stand die Symbiose aus puristischer Lesung und radikaler körperlicher Entschleunigung – ein Wagnis, das voll aufgegangen ist.

Der stärkste Anker des Abends war die Audiospur. Dass die Autorin selbst als Sprecherin ihrer Kurzgeschichte fungierte, verlieh der Aufführung eine ungefilterte Authentizität. Ihre Stimme, die ohne theatralisches Pathos, fast schon sachlich durch den Raum schwebte, bildete das Rückgrat der gesamten Produktion.

Den Kontrapunkt dazu bildete die visuelle Ebene: Ein Ensemble stummer Schauspieler, die sich ausschließlich in extremer Zeitlupe über die von Ji Hyung Nam poppig bunt angelegte Drehbühne bewegten. Diese bewusste Entschleunigung wirkte wie ein Vergrößerungsglas. Während die Geschichte voranschritt, froren die Darsteller Momente der Gewalt oder der Ignoranz ein, dehnten sie und zwangen den Zuschauer, hinzusehen, wo man im Alltag wegschaut. Die Kombination aus der fließenden Erzählstimme und der zähen, fast schmerzhaften Motorik der Akteure erzeugte eine hypnotische Spannung, die kaum auszuhalten war.

Thematisch traf die Inszenierung von Maria Schleef dort, wo es wehtut: bei der akzeptierten Normalität von Grausamkeit. Die Geschichte seziert messerscharf jene kleinen und großen Bosheiten, die wir längst in unseren Alltag integriert haben. Durch die zeitlupenhafte Darstellung wurde deutlich, wie routiniert Grausamkeit oft daherkommt – sie geschieht nicht immer im Affekt, sondern bettet sich schleichend in das soziale Gefüge ein. Das Stück hielt uns den Spiegel vor und fragte unmissverständlich: Ab wann wird das Unerträgliche zur bloßen Hintergrundmusik unseres Lebens?

Fazit: Ein mutiger, minimalistischer Abend, der beweist, dass die leisesten Töne oft den lautesten Nachhall erzeugen.